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Morbus Alzheimer Die
Alzheimer-Krankheit (AK) (lateinisch Morbus Alzheimer) ist eine
neurodegenerative Erkrankung, die in ihrer häufigsten Form bei Personen über
dem 65. Lebensjahr auftritt und für ungefähr 60 Prozent der weltweit etwa 24
Millionen Demenzerkrankungen verantwortlich zeichnet.
Charakteristisch
ist eine zunehmende Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit, die in
der Regel mit einer Abnahme der täglichen Aktivitäten, mit
Verhaltensauffälligkeiten und neuropsychologischen Symptomen einhergeht. Bereits
viele Jahre, bevor erste klinische Symptome sichtbar werden, bilden sich im
Gehirn des Betroffenen Plaques, die aus fehlerhaft gefalteten Beta-Amyloid-(Aβ-)Peptiden
bestehen. Zusammen mit den Plaques sind Neurofibrillen, die sich in den Neuronen anlagern, kennzeichnend
(pathognomonisch) für die Erkrankung.
Die zugrunde liegenden Veränderungen sind
noch nicht behandelbar.
Bis heute ist die Ursache der
Alzheimer-Erkrankung nicht vollständig geklärt. Es wurden Mutationen in drei
verschiedenen Genen gefunden, die als Auslöser der früh auftretenden Unterform
gelten. Davon abgesehen ist ein Zusammenhang zwischen ApoE und der
Wahrscheinlichkeit, an Morbus Alzheimer zu erkranken, anerkannt. Die
Veränderungen in allen vier Genen tragen etwa 30 Prozent zum genetischen
Gesamtprofil bei und führen dazu, dass sich besonders große Mengen von Aβ im Gehirn anhäufen. Häufigkeit
Von
Alzheimer sind fast ausschließlich Menschen höheren Alters betroffen. Durch die
Bevölkerungsentwicklung in den westlichen Industrienationen mit immer älter
werdenden Bürgern steigt daher auch die Alzheimer-Prävalenz. Unter den
65-Jährigen sind etwa 2 % betroffen, bei den 70-Jährigen sind es bereits
3 %, unter den 75-Jährigen 6 % und bei den 85-Jährigen zeigen etwa
20 % Symptome der Krankheit. Über dem 85. Lebensjahr nimmt der Anteil der
Betroffenen wieder ab, da die zuvor Erkrankten nur selten dieses Lebensalter
erreichen. Der jüngste bisher bekannte Alzheimer-Patient erkrankte mit 27
Jahren und starb mit 33
In
Deutschland leiden aktuell mehr als eine Million Menschen unter einer
Demenzerkrankung, 700.000 davon unter Morbus Alzheimer. Jedes Jahr werden etwa
200.000 neue Demenzerkrankungen diagnostiziert, von denen etwa 120.000 vom
Alzheimertyp sind.
Im
Jahr 2007 waren weltweit etwa 29 Millionen Menschen von der Alzheimer-Krankheit
betroffen. Nach Auswertung von Computermodellen soll sich diese Zahl, die auf
Bevölkerungsprognosen der Vereinten Nationen basieren, bis zum Jahr 2050 auf
rund 106 Millionen Patienten erhöhen; im Durchschnitt kommt dann auf 85
Menschen ein Alzheimer-Patient.
Genetik
Es
gibt eine genetische Komponente in der Verursachung der Alzheimer-Krankheit.
Etwa fünf bis zehn Prozent der Betroffenen zeigen eine familiäre Häufung [Familial
Alzheimer Disease (FAD)], die auf Mutationen des Präsenilin-1-Gens
auf Chromosom 14, des Präsenilin-2-Gens auf Chromosom 1 oder des APP-Gens auf
Chromosom 21 zurückzuführen sind. Zusätzlich konnte eine noch unklare
Verbindung zwischen der Alzheimerschen Erkrankung und dem ε4-Allel
von Apolipoprotein E (ApoE), einem am Cholesterin-Transport beteiligten
Protein, hergestellt werden.
Das
Down-Syndrom mit seiner dreifachen Anlage von Erbmaterial des Chromosoms 21,
auf dem sich das APP-Gen befindet, erhöht ebenfalls das Risiko, an einer Demenz,
evtl. der Alzheimer-Krankheit, zu erkranken, wobei der Nachweis bei Menschen
mit dieser Genommutation durch eine meist vorliegende kognitive
Beeinträchtigung erschwert wird.
Weiterhin
ist eine Mutationsvariante des SORL1-Gens als erhöhter Risikofaktor für diese
Erkrankung genannt worden.
Pathogenese
Feingeweblicher
Schnitt mit Alzheimer-Plaques
Im
Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden sich senile Plaques und fibrilläre
Ablagerungen. Die Proteinablagerungen der Plaques bestehen im Wesentlichen aus
dem Amyloid-β-Peptid. Die intrazellulär gelegenen
Neurofibrillenbündel bestehen aus dem Tau-Protein. Dieses aggregiert zu
Fibrillen, wenn es stärker als normal phosphoryliert, d. h. mit
Phosphorsäureresten besetzt ist („Hyperphosphorylierung“). Es ist ungeklärt, ob
diese Tau-Phosphorylierung sekundärer Natur oder krankheitsauslösend ist.
Im
Krankheitsverlauf nimmt die Hirnmasse durch das Absterben von Neuronen vermehrt
ab; man spricht dabei von einer Hirnatrophie. Außerdem wird der Botenstoff
Acetylcholin nicht mehr in ausreichenden Mengen produziert (unter anderem durch
Verminderung des im Nucleus basalis Meynert vorkommenden Enzyms
Cholinacetyltransferase, das die Zusammensetzung von Acetyl-CoA und Cholin
katalysiert), was zu einer allgemeinen Leistungsschwächung des Gehirns führt.
Das
Aβ-Peptid entsteht aus einem
Vorläuferprotein, dem Amyloid-Precursor-Protein (APP), bei dem es sich um ein
integrales Membranprotein handelt. Der größte Anteil dieses Proteins ragt aus
der Zelle heraus (befindet sich extrazellulär siehe Extrazelluläre Matrix),
während sich nur ein kleiner Anteil innerhalb der Zelle befindet
(intrazellulär). Es handelt sich um ein Typ I-Transmembranprotein: Sein Amino-Terminus
befindet sich auf der Zellaußenseite, während sein Carboxyl-Terminus innerhalb
der Zelle zu finden ist.
APP
wird von proteinspaltenden Enzymen, den sogenannten Sekretasen (
Alpha-Sekretasen, Beta-Sekretase und Gamma-Sekretase ) gespalten, wodurch
es zur Freisetzung des Aβ-Peptids aus dem Vorläuferprotein
kommen kann. Grundsätzlich gibt es zwei Wege, wie APP gespalten werden kann.
1.
Der nicht-amyloidogene Weg: APP wird durch eine α-Sekretase
geschnitten. Dieser Schnitt findet innerhalb des Teils von APP statt, der Aβ
enthält. Dadurch wird die Bildung von Aβ verhindert. Es kommt
zur Freisetzung eines großen extrazellulären Anteils, dessen Funktion nicht
endgültig geklärt ist.
2.
Der amyloidogene Weg: APP wird zuerst von der β-Sekretase
geschnitten und nachfolgend von der γ-Sekretase. Dieser
Schnitt, der innerhalb der Transmembrandomäne erfolgt, führt zur Freisetzung
von Aβ.
Beide
Vorgänge können parallel in Nervenzellen stattfinden. Die durch β-
und γ-Sekretase gebildeten Aβ-Peptide
variieren in ihrer Länge. Der Haupttyp Aβ-40 ist 40, während ein kleiner Anteil, Aβ-42, 42 Aminosäuren lang ist. Die Länge
des Aβ ist von zentraler pathologischer
Bedeutung, da das längere Aβ-42 eine wesentlich
höhere Tendenz zur Aggregation aufweist als das kleinere Aβ-40.
Kandidaten
für die α-Sekretase sind die Proteasen ADAM 10,
ADAM17/TACE und für die β-Sekretase BACE1. Die γ-Sekretase
besteht aus einem hochmolekularen Komplex aus den Proteinen Präsenilin 1 bzw.
2, PEN-2, APH-1 und
Nicastrin, wobei nicht geklärt ist, ob nicht noch weitere Proteine daran
beteiligt sind.
Bei
der Alzheimer-Erkrankung ist die Funktion der Mitochondrien gestört. Eine
Blockade der Atmungskette am Komplex IV führt zu einer übermäßigen Produktion
von Radikalen, die die Zelle schädigen. Ob diese Blockade eine Konsequenz der
übermäßigen Aβ-Produktion ist oder ob Aβ
als Antioxidans gegen diesen neu entstandenen oxidativen Stress übermäßig
produziert wird, ist bis heute offen Neue Erkenntnisse
Die
Nonnenstudie von David Snowdon zeigt eine starke Abweichung des pathologischen
Gehirn-Befunds (multiple Alzheimer-Plaques) und der wiederholt erhobenen
psychischen Leistungsfähigkeit zu Lebzeiten. Pat McGeer vermutet entzündliche
Prozesse im Gehirn als Ursache der Erkrankung. Thomas Bayer sieht die
ursächlichen Prozesse in den Nervenzellen.
Beta-Amyloid-Proteine
zeigen starke antimikrobielle Wirkung. Eine Vermutung ist, dass sie als
Defensivantwort bei einer noch unbekannten Infektion entstehen.
Verlauf
Erste Warnzeichen
Das
amerikanische National Institute on Aging hat sieben Warnzeichen formuliert,
die auf eine beginnende Alzheimersche Krankheit hinweisen können und welche die
Menschen in der nahen Umgebung veranlassen sollten, ärztlichen Rat einzuholen:
1.
Der Erkrankte wiederholt immer wieder die gleiche Frage.
2.
Der Erkrankte erzählt immer wieder die gleiche kurze
Geschichte.
3.
Der Erkrankte weiß nicht mehr, wie bestimmte alltägliche
Verrichtungen wie Kochen, Kartenspiel, Handhabung der TV-Fernbedienung
funktionieren.
4.
Der Erkrankte hat den sicheren Umgang mit Geld,
Überweisungen, Rechnungen und ähnlichem verloren.
5.
Der Erkrankte findet viele Gegenstände nicht mehr oder er
legt sie an ungewöhnliche Plätze (unabsichtliches Verstecken) und verdächtigt
andere Personen, den vermissten Gegenstand weggenommen zu haben.
6.
Der Erkrankte vernachlässigt anhaltend sein Äußeres,
bestreitet dies aber.
7.
Der Erkrankte antwortet auf Fragen, indem er die ihm
gestellte Frage wiederholt.
Der
Verlauf wird in verschiedene Stadien unterteilt, in denen jeweils andere
physische und psychische Einschränkungen im Vordergrund stehen.
Prä-Demenz-Stadium
Bereits
acht Jahre bevor Alzheimer sicher diagnostiziert werden kann, sind geringe
Auffälligkeiten in neuropsychologischen Tests nachweisbar. Probleme mit dem
Kurzzeitgedächtnis und damit in Verbindung stehende Probleme, neue Information
aufzufassen, sind dabei am leichtesten zu erkennen. Unter Umständen kommt es
bereits zu leichten Beeinträchtigungen beim Sprachverständnis und der
persönlichen Zieleverfolgung. Befindlichkeitsstörungen wie Depression und
Teilnahmslosigkeit sind üblich.
Früh- und Mittelstadium
Bei
den meisten Patienten führen die Defizite beim Lernen und der
Gedächtnisleistung zur Diagnosestellung. Während das Langzeitgedächtnis,
gewohnte Tätigkeitsabläufe und emotionale Erlebnisse meist noch gut gegenwärtig
sind, ist das Lernen und das Kurzzeitgedächtnis am stärksten eingeschränkt. Das
Sprachvermögen der Betroffenen ist insgesamt reduziert, was sich im Sprachfluss
und durch ein vermindertes Vokabular äußert. Grundsätzlich sind sie aber in der
Lage, ihre Gedanken und Ideen anderen Personen in geeigneter Weise mitzuteilen.
Die Feinmotorik zeigt bereits gewisse Unsicherheiten, die bei Tätigkeiten wie
Schreiben, Malen oder Ankleiden erkennbar sind. Beim Übergang der Erkrankung
zum Mittelstadium sind einige Patienten noch in der Lage, selbstständig ihren
Alltag zu gestalten, bei komplizierten oder komplexen Tätigkeiten sind sie
jedoch bereits auf Unterstützung angewiesen.
Fortgeschrittene Demenz
Im
fortgeschrittenen Stadium verlernen die Patienten altbekannte Fertigkeiten und
erkennen nahe stehende Personen und alltägliche Gegenstände nicht mehr wieder.
Auch bei Patienten, die vor der Erkrankung ein friedfertiges Wesen besessen
haben, kann es zu unbegründeten Wut- und Gewaltausbrüchen kommen. Schuldgefühle
und allgemein eine innere Selbstreflexion nehmen im weiteren Verlauf immer mehr
ab, so wie viele menschliche Verhaltensmuster nur noch automatisiert abzulaufen
scheinen.
Die
Muskulatur baut kontinuierlich ab, was zu weiteren Sprachproblemen, Harn- bzw.
Stuhlinkontinenz und einer immer weiter abnehmenden Mobilität bis hin zur
Bettlägerigkeit führt. Ohne Unterstützung können die Betroffenen ihren Alltag
nicht mehr meistern und brauchen auch bei einfachen Tätigkeiten Unterstützung.
Die Krankheit schreitet bis zum Tode voran, der bei derart geschwächten
Patienten oft durch eine Lungenentzündung oder einen Herzinfarkt ausgelöst
wird.
Prognose
Nachdem
die Diagnose Alzheimer gestellt worden ist, beträgt die Lebenserwartung in etwa
sieben bis zehn Jahre, wobei es auch Fälle gibt, in denen das Endstadium
bereits nach vier bis fünf Jahren erreicht ist. Auf der anderen Seite gibt es
Patienten, die noch über 20 Jahre gelebt haben. Sarkoidose
Sarkoidose
in der Computertomographie koronar: Stadium 2 mit vielen kleinen Granulomen in
der Lunge auf beiden Seiten (Pfeile). Die vergrößerten Lymphknoten an den Hili
und im Mediastinum sind im Lungenfenster nicht so gut zu erkennen.
Die
Sarkoidose (von griechisch σαρκώδης, sarkódes,
„die fleischige [Krankheit]“, „die die Weichteile Betreffende [Krankheit]“;
auch Morbus Boeck [buːk]
oder Morbus Schaumann-Besnier) ist eine systemische Erkrankung des Bindegewebes
mit Granulombildung, die meistens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr
auftritt. Die genaue Ursache der Krankheit ist bis heute unbekannt.
Bei
der Sarkoidose bilden sich mikroskopisch kleine Knötchen (Granulome) in dem
betroffenen Organgewebe, verbunden mit einer verstärkten Immunantwort.
Besonders betroffen sind Lymphknoten (90 % der Fälle) sowie die Lunge
(90 %). Aber auch andere Organe wie Leber (60–90 %), Augen
(25 %), Herz (5 %), Skelett (25–50 %), Milz (50–60 %) oder Haut
(25–50 %) und sogar das Knochenmark (15-40 %) können betroffen sein (Neurosarkoidose
als Beispiel bezeichnet den Befall des Nervengewebes). Da die Erkrankung
familiär gehäuft auftreten kann, wird eine genetische Veranlagung vermutet. Im
Februar 2005 wurde eine erste Genveränderung gefunden, die ein Ausbrechen der
Krankheit beeinflusst. So reicht die Mutation eines einzigen Basenpaares im Gen
BTNL2 auf dem Chromosom 6 aus, um die Erkrankungswahrscheinlichkeit um 60
Prozent zu erhöhen. Eine Veränderung der Genkopien auf beiden Chromosomen
erhöht das Risiko auf das dreifache. BTNL2 beeinflusst eine
Entzündungsreaktion, die bestimmte weiße Blutkörperchen aktiviert.
Man
unterscheidet eine zunächst akut verlaufende Form der Sarkoidose (das so
genannte Löfgren-Syndrom) von der schleichend und symptomarm einsetzenden
chronischen Verlaufsform. In Deutschland tritt die Erkrankung in 20–30 Fällen
auf 100.000 Einwohner auf.
Erstmals
ist sie von Ernest Besnier und Cæsar Peter Møller Boeck in den Jahren 1889 und
1899 als Hauterkrankung beschrieben worden.
Im Jahre 1924 erkannte Jörgen Nilsen Schaumann, dass es sich hierbei um eine systemische
Erkrankung verschiedener Organe handelt. Der Schwede Sven Halvar
Löfgren beschrieb 1953 die nach ihm benannte akute Verlaufsform.
Epidemiologie
Sarkoidose
ist eine weltweit vorkommende Krankheit, von der Männer etwas häufiger als
Frauen betroffen sind, wobei sich die Zahlen mit zunehmendem Alter umkehren. In
den USA und Europa wird der Anteil der betroffenen Personen (die Prävalenz) je nach Bemessungsgrundlage zwischen
1–40 pro 100.000 Einwohner angegeben. Eine überdurchschnittliche Häufung findet
man bei Nordeuropäern und der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA (Newman
et al.). Den höchsten Anteil von Neuerkrankungen (Inzidenz) findet man in
Schweden und Island mit über 60 Fällen pro 100.000 Einwohner. In Deutschland
beträgt die Inzidenz 10–12 pro 100.000 Einwohner (Scharkoff).
Symptome
Oft
ist die Lunge betroffen, da aber alle Organe betroffen sein können, sind die Symptome variabel. Meist zeigt sich die
Erkrankung durch ein Druckgefühl im Oberkörper mit zunehmendem Husten bis hin zur Atemnot sowie durch Schwellung der Lymphknoten. Die Patienten
leiden häufig unter Müdigkeit (Fatigue) und Gelenkschmerzen. Beim häufigen Löfgren-Syndrom sind Fieber, Gelenkschmerzen, Leber- und Milzschwellungen sowie eine akute
Entzündung des Unterhautfettgewebes mit
„Knötchenbildung“ (das Erythema nodosum;) die am häufigsten genannten Symptome.
Bei Hautbeteiligung können auch Hautknötchen in unterschiedlichen
Verteilungsmustern auftreten. Die an der Haut sichtbaren Veränderungen weisen
als erstes wahrnehmbares Symptom oft auf die Diagnose hin. Eine charakteristische
chronische Verlaufsform der Haut ist als Lupus pernio bekannt und
imponiert durch eine bläuliche Schwellung mit Erosionen der Wangen, Nase,
Lippen und Hände.
Bei
kardialem Befall können Herzrhythmusstörungen oder Herzmuskelschwäche auftreten. Bei einer Augenbeteiligung
findet man häufig eine Uveitis (Entzündung der
mittleren Augenhaut), die sich bei Beteiligung des Tränenganges zu einer Keratokonjunktivitis
sicca
ausweiten kann. Selten findet man bei einer Nierenbeteiligung einen gestörten Kalziumstoffwechsel, welcher mit einer Nephrokalzinose (Nierenverkalkung)
einhergehen kann. Die zystische Umwandlung der Fingerknochen (Jüngling-Syndrom) ist Ausdruck eines Knochenbefalls.
Die Sarkoidose der Nerven zeigt sich manchmal in einseitiger Schwäche des Gesichtsmuskelnerven (Heerfordt-Syndrom) bis hin zu einer
vollständigen Lähmung einer oder beider Gesichtshälften (einer Fazialisparese). Auch eine
Beteiligung der Meningen (Hirnhäute) und der Nasennebenhöhlen mit möglicher
späterer Zerstörung der Knorpelanteile wird
beschrieben (Vorkommen bei 2 bis 18 % der Patienten).
Sehr
selten ist ein Befall des Hypothalamus-Hypophysen-Regelkreises mit
einem daraus resultierenden Diabetes insipidus. Sarkoidose, eine Krankheit des Immunsystems. Wir helfen Ihrem Immunsystem wieder auf die Beine. Finden Sie heraus, wie Sie Ihr Immunsystem um über 437% erhöhen können. zurück zum Index
Morbus Crohn
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Klassifikation nach ICD-10
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K50.-
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Crohn-Krankheit
[Enteritis regionalis] [Morbus Crohn]
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K50.0
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Crohn-Krankheit
des Dünndarmes I5642
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K50.1
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Crohn-Krankheit
des Dickdarmes I5646
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K50.8
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Sonstige
Crohn-Krankheit
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K50.9
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Crohn-Krankheit,
nicht näher bezeichnet
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ICD-10 online (WHO-Version 2006)
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Der Morbus Crohn
gehört zur Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Es handelt sich um eine chronisch-granulomatöse Entzündung, die im gesamten
Magen-Darm-Trakt von der Mundhöhle bis zum After auftreten kann. Bevorzugt
befallen sind der untere Dünndarm (terminales Ileum) und der Dickdarm (Colon), seltener die Speiseröhre (Ösophagus) und der Mund.
Charakterisierend für Morbus Crohn ist der diskontinuierliche, segmentale
Befall (sog. skip lesions) der Darmschleimhaut, es können also
gleichzeitig mehrere Darmabschnitte erkrankt sein, die durch gesunde Abschnitte
voneinander getrennt sind.
Das Krankheitsbild wurde
zweimal unabhängig voneinander beschrieben, 1904 vom polnischen Chirurgen Antoni Leśniowski (1867–1940) und 1932 vom amerikanischen Magen- und Darmspezialisten Burrill
Bernard Crohn
(1884–1983), nach dem die Krankheit benannt wurde. Andere Bezeichnungen für die
Krankheit sind Enteritis regionalis Crohn, Ileitis terminalis, Enterocolitis
regionalis und sklerosierende chronische Enteritis, und die
Abkürzungen MC, CD (Crohn's Disease). Häufigkeit
In den westlichen
Industriestaaten liegt die jährliche
Anzahl von Neuerkrankungen von M. Crohn bei etwa 7-8 auf 100.000 Einwohner, die Prävalenz (der Bestand an Erkrankten) bei
etwa 150 auf 100.000. Die Zahl der Erkrankungen nahm in den letzten
20 Jahren zu. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen, meist erkranken
junge Erwachsene zwischen dem 16. und 35. Lebensjahr sowie ältere Menschen ab
einem Alter von 60 Jahren. Es ist eine familiäre Häufung zu beobachten.
Entstehung
des Morbus Crohn
Die Ursache, Entstehung und Entwicklung des Morbus Crohn sind nicht
geklärt. Burill B. Crohn hielt den M. Crohn für eine durch intrazelluläre
Bakterien oder Viren ausgelöste Erkrankung. Dies konnte bis heute nicht
bewiesen werden. Es sind aber eine Reihe von Umständen bekannt, die bei der
Entstehung der Erkrankung von Bedeutung sind.
Morbus Crohn wird als Autoimmunerkrankung der Darmschleimhaut klassifiziert.
Das Hauptargument für diese Einteilung ist das gute Ansprechen der Krankheit
auf das Immunsystem hemmende Medikamente wie Cortison und Azathioprin sowie der fehlende Nachweis eines
spezifischen Erregers. Wie bei allen anderen Autoimmunerkrankungen ist die
Ursache nicht bekannt. Da keine spezifische Ursache bekannt ist, kann die Therapie
nicht kausal erfolgen, sondern muss symptomatisch und/oder immunmodulierend
erfolgen.
Als Autoantikörper wurden bei Morbus Crohn gehäuft
perinukleäre anti-neutrophile cytoplasmatische Antikörper (p-ANCA) serologisch identifiziert.
Allerdings sind diese Autoantikörper nur bei circa 20 % der
Crohn-Patienten nachweisbar.
Rauchen
Das Risiko der
Entwicklung eines Morbus Crohn ist bei Rauchern doppelt so hoch wie bei
Nichtrauchern. Eine Beendigung des Rauchens wirkt sich in der Regel günstig auf
den Krankheitsverlauf oder auf die Rezidivrate nach einer Operation aus.
Genetik
Es besteht
möglicherweise eine erbliche Veranlagung für die Krankheit. Mittlerweile wurden
mehrere Erbfaktoren entdeckt, die das Risiko für das Auftreten der Krankheit
erhöhen. Gene, die ursächlich mit Morbus Crohn in
Verbindung gebracht werden, sind NOD2 (nach neuer Nomenklatur: CARD15),
IL23R (Chromosom 1p31), ATG16L1, DLG5
und NELL1 (Chromosom 11p15.1). Ein Faktor scheint die verminderte Anzahl an
Genabschnitten zu sein, die für die Produktion von beta-Defensinen verantwortlich sind. Defensine sind
eine Art natürliches Antibiotikum, das in Schleimhäuten zur Abwehr
von Bakterien vorkommt. Menschen mit Morbus Crohn im Dickdarm haben drei
Defensin produzierende Genabschnitte am Chromosom Nr. 8, während gesunde Menschen im
allgemeinen vier davon tragen. Dementsprechend ist auch ihr Defensin-Spiegel in
der Schleimhaut höher. Für den wesentlich
häufigeren Morbus Crohn im Dünndarm gibt es diesen Zusammenhang allerdings
nicht.
Barrierestörung
Vieles deutet darauf
hin, dass zumindest bei einem Teil der Morbus-Crohn-Patienten die Barriere
zwischen dem Darmlumen und dem Organismus defekt ist.
Konkrete Hinweise auf diesen Barrieredefekt zeigen sich z. B. im Mangel an
anti-infektiv wirksamen Peptiden (Defensinen) im Mucus (Schleim), der der
Darmschleimhaut aufgelagert ist. Zudem sind häufig die abdichtenden
Verbindungen zwischen den Epithelzellen der Darmschleimhaut „undicht“,
d. h. nicht mehr funktionell und in ihrer Zahl vermindert. Ob der
kontrollierte Zelltod (Apoptose) vieler Epithelzellen ein primäres
oder sekundäres Phänomen ist und damit dem Krankheitsbild ursächlich zugrunde
liegt oder nur zur Chronifizierung der Entzündung beiträgt, ist
unklar. Durch den Defekt der Barrierefunktion gelangen - im Gegensatz zur
Situation beim Gesunden - Bakterien der normalen Darmflora in großer Zahl direkt auf das
Epithel der Darmschleimhaut und dringen teilweise auch in die Darmwand ein, wo sie Entzündungen im Rahmen
der Abwehr durch den Körper auslösen, die die Barriere noch weiter schädigen,
sodass im Sinne eines Teufelskreises weitere Bakterien der Darmflora in die
Darmwand eindringen und die Entzündung weiter anfachen. Der primäre Defekt der
Barrierestörung kann zumindest teilweise genetisch bedingt sein. So ist die
Produktion bestimmter alpha-Defensine bei Morbus-Crohn-Patienten mit für Morbus
Crohn charakteristischen Mutationen in einem Gen (NOD2/CARD15), welches einen intrazellulären Sensor für bakterielle Strukturen codiert,
gegenüber Morbus-Crohn-Patienten ohne diesen Gendefekt noch stärker vermindert,
obwohl die Defensinproduktion auch bei Morbus-Crohn-Patienten ohne diesen
Gendefekt bereits drastisch gegenüber Gesunden reduziert ist. Dieses gilt für
den Dünndarmbefall, bei Lokalisation im Dickdarm ist offenbar die Zahl der
beta-Defensin-Gene und dementsprechend die beta-Defensinsynthese vermindert.
Somit erklären die verschiedenen Defensindefekte die unterschiedlichen
Lokalisationen der Erkrankung.
Weitere
mögliche Ursachen
Übermäßige
Hygiene
Welche Faktoren der
Umwelt zur verbreiteten Entwicklung des Morbus Crohn in Gesellschaften mit
hohem hygienischem Standard führen, ist unklar. Möglicherweise führt ein Befall
mit bestimmten Parasiten – beispielsweise Würmern – zu einer spezifischen
Modulation der Immunantwort, die verhindert, dass die Entzündungsreaktion
chronisch wiederkehrt. Es existieren andere Hypothesen, wie die Schädigung der
Darmbarriere durch die zunehmende Exposition gegenüber Detergentien wie Seifen, Weichmachern oder Emulgatoren, die dazu beitragen könnten, die
Barrierefunktion der Darmwand zu schädigen und so dem Eindringen von Bakterien
der normalen Darmflora Vorschub zu leisten. Wahrscheinlich sekundär ist, dass
die Darmflora bei Morbus-Crohn-Patienten verändert ist: Im Vergleich zu
Gesunden findet man eine deutliche Reduktion der Anzahl verschiedener
Bakterienspezies.
Ernährung
Früher vermutete
Zusammenhänge mit einer spezifischen Ernährung, wie etwa vermehrter Gebrauch
von raffinierten Zuckersorten bei MC-Patienten, werden heute als sekundär
erachtet, da viele Morbus-Crohn-Patienten aufgrund der Entzündungen im Dünndarm
eine generell verminderte Resorption und damit eine schlechtere
Nahrungsverwertung aufweisen.
Psychosomatik
Es ist bekannt, dass
emotionale Belastungen Veränderungen der Darmfunktionen und abdominelle
Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfälle auslösen oder verstärken können.
Psychosozialer Stress kann zur Symptomauslösung oder -verstärkung führen. Es
wird vermutet, dass bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen psychosozialer Stress auch zu einer
Fehlregulation der Immunantwort und – bei entsprechender Veranlagung – zur
Krankheitsaktivierung führen kann. Stress kann bei Morbus-Crohn-Patienten zum
Auftreten erneuter Entzündungen führen.
Mykobakterien
Es gibt einige Indizien,
dass am Krankheitsverlauf Bakterien oder Viren, namentlich das Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP), beteiligt sind. Bei vielen
Crohn-Patienten kann MAP nachgewiesen werden. MAP löst bei Rindern und anderen
Tieren ebenfalls eine chronische Darmentzündung, die Paratuberkulose, aus. Das Mycobakterium avium
paratuberculosis induziert beim Menschen spezifische Antikörper. Diese
Antikörper werden im Blut von bis zu zwei Dritteln aller Morbus Crohn Patienten
gefunden. Zur Zeit laufen Untersuchungen, ob Crohn-Patienten erfolgreich mit
einer Antibiotikakombination behandelt werden können.
Symptomatik
Morbus Crohn beginnt
meist beim jungen Erwachsenen mit Müdigkeit, Schmerzen im rechten Unterbauch
und (meist unblutigen) Durchfällen. Ebenfalls können unklares Fieber, starker Gewichtsverlust, Übelkeit
und Erbrechen entstehen. Eine Manifestation der Erkrankung ohne Durchfall ist
auch möglich. Schubweise auch mit Fieber, einem Anstieg der weißen
Blutkörperchen und einer Anämie (Abnahme des roten
Blutfarbstoffes). Bei vielen Patienten jedoch ist die Art und das Empfinden der
Symptome unterschiedlich. Es kann beispielsweise zu Beginn und im Verlauf einer
„Entzündungsphase“ (einem so genannten „Schub“) zu Appetitlosigkeit, Schmerzen
oder Krämpfen im gesamten Unterbauch und Oberbauch kommen. Auch wird von
Betroffenen „schmetterlingsartiges Kribbeln“ beschrieben, das nach einem
Toilettengang verschwindet.
Bei bis zu 50 Prozent
der Morbus-Crohn-Patienten treten zudem extraintestinale Manifestationen
auf. Am häufigsten sind hierbei die Gelenke betroffen; es kann zu Arthralgien und Arthritiden kommen. Im Rahmen des Morbus Crohn
sind ferner Hautveränderungen in Form des Erythema nodosums oder des Pyoderma
gangraenosums
möglich. Ebenso kann es zur Begünstigung einer Rosacea (Rosazea) kommen sowie zu Entzündungen des
Auges (etwa als Uveitis). Die Manifestationen außerhalb des
Darmtraktes (extraintestinale Symptome) können selten auch Monate bis Jahre vor
der Darm-Symptomatik auftreten. Normalerweise verschwinden die extrainstinalen
Symptome, wenn der Morbus Crohn als Grunderkrankung behandelt wird. Neben der
Erkrankung selbst kommen auch Nebenwirkungen der Medikation als Auslöser für
extraintestinale Manifestationen in Frage.
Komplikationen
- Mechanischer Ileus
(Darmverschluss): Anfangs häufig durch Einengung des betroffenen
Darmsegmentes während des entzündlichen Prozesses bedingt, im späteren
Stadium durch fibröse Strikturen.
Ein Ileus tritt bei zirka
20 % bis 30 % der Patienten im Verlauf der Erkrankung auf.
- Fistel
(Verbindung des Darms mit anderen Organen oder der Körperoberfläche):
Fisteln treten im chronischen Verlauf recht häufig auf und können recht
verschieden sein: Verbindung des Darms mit der Körperoberfläche (kutan),
Verlauf zwischen Darm und Geschlechtsorganen
(enteroenteritisch/enterovaginal), Verlauf zwischen Darm und Harnblase
(enterovesikal), Ausgang der Fistel im Bereich des Afters (peranal), rektal.
Seltener hingegen sind Fisteln in die freie Bauchhöhle hinein, da die
Umgebung des Darms meist stark verwachsen ist.
- Abszess
(Umkapselte Eiteransammlung): intra- und retroperitoneale Abszesse kommen
vor.
- intestinale Blutungen
- toxisches
Megakolon: (= durch „Gift“ bedingte abnorme Weitstellung des
Dickdarms) eher selten bei Morbus Crohn, dafür häufiger bei Colitis
ulcerosa
- Karzinom:
Vor allem für Dickdarmkarzinome besteht ein erhöhtes Risiko.
- Osteoporose
oder Osteopenie:
Veränderungen der Knochendichte treten häufig als Folgeerscheinungen von Malabsorption sowie
als Nebenwirkung einer Cortisontherapie
auf.
- Gallensteine (durch den gestörten
Leber-Darm-Kreislauf)
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